Nachtfalter im Stiftungspark

Beobachtungen lohnen sogar im Winter

von Dr. Gesine Schmittmann


Stiftung Umwelt- und Naturschutz Schmittmann Nachtfalter Blaues Ordensband NABU Düren
Blaues Ordensband (Foto: Tilman Adler/NABU-naturgucker.de)

Der frei zugängliche Park der Stiftung Umwelt- und Naturschutz Schmittmann in Vettweiß-Ginnick entwickelt sich weiter zu einer interessanten Naturfläche, die mit abwechslungsreichen Strukturen wie Hecken, Mischwald, extensiven Wiesen, kleinen Wasserzonen und Sandflächen viele Lebewesen anlockt. Das Projekt wurde Ende 2020 begonnen und wird seitdem mit immer neuen Kleinstlebensräumen ausgebaut. Nachdem wir in den letzten Jahren bereits kontinuierliche Monitorings der Vogelwelt, der Fledermäuse und der Wildbienen durchgeführt haben, wurde die Welt der Nachfalter eher zufällig beim abendlichen Schnecken-Morden entdeckt. Was sich beim nächtlichen Pilgern nur mit Taschenlampe oder Handy beobachten ließ, war begeisternd und ausgesprochen vielfältig.

Überraschende Artenvielfalt

Bei näherer Beschäftigung mit Nachtfaltern wird man schnell von der Tatsache überrumpelt, dass wir allein in Deutschland circa 1.200 Nachtfalter-Arten finden können, dagegen ist die Anzahl der Tag-Schmetterlinge mit 190 Arten nahezu lächerlich gering. Bei diesen Zahlen handelt es sich nur um die Groß-Schmetterlinge; hinzu kommen noch circa 2.250 Arten der taxonomisch nicht klar abzutrennenden Klein-Schmetterlinge, die sogenannten ‚Mikros‘.

Wer Nachtfalter beobachten will, findet schnell die geeigneten Bedingungen heraus: möglichst kein Mondschein, kein Wind, eher schwül-warme Temperaturen und eine gewisse Feuchtigkeit darf ruhig in der Luft liegen.

Beste Bedingungen in mondlosen Nächten

Warum gelingt die Beobachtung in mondlosen Nächten am besten? Es gibt eine Theorie, dass sich die Nachtfalter am Mond bzw. den Sternen in einem Individuen-spezifischen Winkel orientieren; abschließend ist diese Theorie jedoch noch nicht bestätigt. Nimmt man jetzt eine künstliche Lichtquelle zu Hilfe, kreisen die Falter gemäß ihrem Winkel in Spiralen immer näher zur Lampe hin. Darüber hinaus haben die meisten Insektenaugen ihre größte Empfindlichkeit im UV-, Blau- und Grünbereich des Spektrums, was man sich beim Anlocken mit sogenannten Lichtfallen zunutze macht.

Verzicht auf Präparation und Mikroskopie

Von August bis Ende November fanden im Park regelmäßig Abende mit Einsatz einer Lichtfanganlage statt. Dabei werden die Falter von einer speziellen Lampe angelockt und setzen sich nach einiger Zeit auf ein lichtdurchlässiges Netz. Dort kann man die Tiere sehr gut beobachten und fotografieren; die Bestimmung erfolgte dann mittels KI und die Ergebnisse wurden anhand von Bestimmungsbüchern abgeglichen. Die Tiere wurden nicht gefangen oder getötet, das Ziel war Beobachtung und Erfassung. Um exakteste Bestimmungen durchzuführen sind u.U. Präparation und Mikroskopie erforderlich, darauf wurde verzichtet.

In diesem kurzen Zeitraum konnten schon 53 Arten verzeichnet werden, die sich folgendermaßen verteilen:

Stiftung Umwelt- und Naturschutz Schmittmann Nachtfalter NABU Düren

Diese Arten bilden sehr gut die verschiedenen Habitate ab, die der Stiftungspark bietet:

Stiftung Umwelt- und Naturschutz Schmittmann Nachtfalter NABU Düren

Im Folgenden werden einige Arten kurz vorgestellt:

Stiftung Umwelt- und Naturschutz Schmittmann Nachtfalter Hausmutter NABU Düren
Hausmutter (Foto: Dr. Gesine Schmittmann)

Über viele Wochen konnte die häufige Hausmutter gefunden werden. Hier kann man schön das dunkle Band auf den gelben Hinterflügeln sehen; im Ruhezustand ist es immer verdeckt.

Stiftung Umwelt- und Naturschutz Schmittmann Nachtfalter Achateule NABU Düren
Achateule (Foto: Dr. Gesine Schmittmann)

Eine ebenfalls häufige, hübsche und leicht erkennbare Eule: die Achateule. Diese Art fliegt in zwei Generationen und besiedelt nahezu alle Offenland-Lebensräume.

Stiftung Umwelt- und Naturschutz Schmittmann Nachtfalter Achat-Eulenspinner NABU Düren
Achat-Eulenspinner (Foto: Dr. Gesine Schmittmann)

Der exotisch anmutende Achat-Eulenspinner besiedelt lichtes Brombeergestrüpp und Himbeerbestände, auf denen im August und September auch die Raupen zu finden sind.

Stiftung Umwelt- und Naturschutz Schmittmann Nachtfalter Blaues Ordensband NABU Düren
Blaues Ordensband (Foto: Dr. Gesine Schmittmann)

Der absolute Höhepunkt unserer Beobachtungen war das Blaue Ordensband, der größte europäische Eulenfalter, sehr selten anzutreffen und somit bereits leider auf der Vorwarnliste. Die bevorzugten Nahrungspflanzen sind Pappeln.

Insgesamt fanden wir zwei Arten von der Vorwarnliste und zwei Arten, die in den roten Listen als gefährdet eingestuft sind.

Lohnende Beobachtungen auch im Winter

Tatsächlich lohnt die Beobachtung auch noch den Winter über, zum Beispiel sind Kleiner und Großer Frostspanner zu finden. Hier können nur die Männchen fliegen, die flugunfähigen Weibchen haben Stummel- oder gar keine Flügel.

Großer Frostspanner

Fotos von links nach rechts:

Großer Frostspanner, Raupe (Foto: Ralph Bergs/NABU-naturgucker.de)

Großer Frostspanner, weiblich (Foto: Rainer Wissing/NABU-naturgucker.de)

Großer Frostspanner, männlich (Foto: Stefanie Just/NABU-naturgucker.de)

Kleiner Frostspanner

Fotos von links nach rechts:

Kleiner Frostspanner, Raupe (Foto: Ralph Bergs/NABU-naturgucker.de)

Kleiner Frostspanner, weiblich (Foto: Marion Metzer/NABU-naturgucker.de)

Kleiner Frostspanner, Paarung (Foto: Hans Prün/NABU-naturgucker.de)


Wir sind gespannt, was uns nächstes Jahr an Überraschungen bringt und laden sehr herzlich zum gemeinsamen Lichtfang im September 2026 ein – genaue Angaben zum Termin im Veranstaltungskalender des NABU Düren.

Interessierte können auch sehr gerne schon vorher bei Lichtfang-Abenden teilnehmen; Kontakt über [email protected].