Der frei zugängliche Park der Stiftung Umwelt- und Naturschutz Schmittmann in Vettweiß-Ginnick entwickelt sich weiter zu einer interessanten Naturfläche, die mit abwechslungsreichen Strukturen wie Hecken, Mischwald, extensiven Wiesen, kleinen Wasserzonen und Sandflächen viele Lebewesen anlockt. Das Projekt wurde Ende 2020 begonnen und wird seitdem mit immer neuen Kleinstlebensräumen ausgebaut. Nachdem wir in den letzten Jahren bereits kontinuierliche Monitorings der Vogelwelt, der Fledermäuse und der Wildbienen durchgeführt haben, wurde die Welt der Nachfalter eher zufällig beim abendlichen Schnecken-Morden entdeckt. Was sich beim nächtlichen Pilgern nur mit Taschenlampe oder Handy beobachten ließ, war begeisternd und ausgesprochen vielfältig.
Bei näherer Beschäftigung mit Nachtfaltern wird man schnell von der Tatsache überrumpelt, dass wir allein in Deutschland circa 1.200 Nachtfalter-Arten finden können, dagegen ist die Anzahl der Tag-Schmetterlinge mit 190 Arten nahezu lächerlich gering. Bei diesen Zahlen handelt es sich nur um die Groß-Schmetterlinge; hinzu kommen noch circa 2.250 Arten der taxonomisch nicht klar abzutrennenden Klein-Schmetterlinge, die sogenannten ‚Mikros‘.
Wer Nachtfalter beobachten will, findet schnell die geeigneten Bedingungen heraus: möglichst kein Mondschein, kein Wind, eher schwül-warme Temperaturen und eine gewisse Feuchtigkeit darf ruhig in der Luft liegen.
Warum gelingt die Beobachtung in mondlosen Nächten am besten? Es gibt eine Theorie, dass sich die Nachtfalter am Mond bzw. den Sternen in einem Individuen-spezifischen Winkel orientieren; abschließend ist diese Theorie jedoch noch nicht bestätigt. Nimmt man jetzt eine künstliche Lichtquelle zu Hilfe, kreisen die Falter gemäß ihrem Winkel in Spiralen immer näher zur Lampe hin. Darüber hinaus haben die meisten Insektenaugen ihre größte Empfindlichkeit im UV-, Blau- und Grünbereich des Spektrums, was man sich beim Anlocken mit sogenannten Lichtfallen zunutze macht.
Von August bis Ende November fanden im Park regelmäßig Abende mit Einsatz einer Lichtfanganlage statt. Dabei werden die Falter von einer speziellen Lampe angelockt und setzen sich nach einiger Zeit auf ein lichtdurchlässiges Netz. Dort kann man die Tiere sehr gut beobachten und fotografieren; die Bestimmung erfolgte dann mittels KI und die Ergebnisse wurden anhand von Bestimmungsbüchern abgeglichen. Die Tiere wurden nicht gefangen oder getötet, das Ziel war Beobachtung und Erfassung. Um exakteste Bestimmungen durchzuführen sind u.U. Präparation und Mikroskopie erforderlich, darauf wurde verzichtet.

Über viele Wochen konnte die häufige Hausmutter gefunden werden. Hier kann man schön das dunkle Band auf den gelben Hinterflügeln sehen; im Ruhezustand ist es immer verdeckt.

Eine ebenfalls häufige, hübsche und leicht erkennbare Eule: die Achateule. Diese Art fliegt in zwei Generationen und besiedelt nahezu alle Offenland-Lebensräume.

Der exotisch anmutende Achat-Eulenspinner besiedelt lichtes Brombeergestrüpp und Himbeerbestände, auf denen im August und September auch die Raupen zu finden sind.

Der absolute Höhepunkt unserer Beobachtungen war das Blaue Ordensband, der größte europäische Eulenfalter, sehr selten anzutreffen und somit bereits leider auf der Vorwarnliste. Die bevorzugten Nahrungspflanzen sind Pappeln.
Insgesamt fanden wir zwei Arten von der Vorwarnliste und zwei Arten, die in den roten Listen als gefährdet eingestuft sind.
Tatsächlich lohnt die Beobachtung auch noch den Winter über, zum Beispiel sind Kleiner und Großer Frostspanner zu finden. Hier können nur die Männchen fliegen, die flugunfähigen Weibchen haben Stummel- oder gar keine Flügel.
Fotos von links nach rechts:
Großer Frostspanner, Raupe (Foto: Ralph Bergs/NABU-naturgucker.de)
Großer Frostspanner, weiblich (Foto: Rainer Wissing/NABU-naturgucker.de)
Großer Frostspanner, männlich (Foto: Stefanie Just/NABU-naturgucker.de)
Fotos von links nach rechts:
Kleiner Frostspanner, Raupe (Foto: Ralph Bergs/NABU-naturgucker.de)
Kleiner Frostspanner, weiblich (Foto: Marion Metzer/NABU-naturgucker.de)
Kleiner Frostspanner, Paarung (Foto: Hans Prün/NABU-naturgucker.de)
Wir sind gespannt, was uns nächstes Jahr an Überraschungen bringt und laden sehr herzlich zum gemeinsamen Lichtfang im September 2026 ein – genaue Angaben zum Termin im Veranstaltungskalender des NABU Düren.
Interessierte können auch sehr gerne schon vorher bei Lichtfang-Abenden teilnehmen; Kontakt über [email protected].