
Am Weltbodentag 2025, dem 5. Dezember, wurde der Archivboden zum Boden des Jahres 2026 gekürt. Der Name soll uns nicht dorthin führen, wo staubige Akten gelagert werden, sondern darauf aufmerksam machen, dass sich viele Spuren vergangener Zeiten oft unbemerkt direkt unter unseren Füßen befinden. Archivböden erzählen Natur- und Kulturgeschichte(n). Und wir sind eingeladen, zuzuhören und hinzuschauen.
Bewahrung unseres historischen und kulturellen Erbes
Archive dienen dazu, wertvolle Informationen aufzubewahren. Dasselbe tun Archivböden. Sie enthalten Hinweise auf vergangene Ereignisse. So können sie Zeugnis vergangener Ereignisse wie Besiedlung, Landwirtschaft oder Kohlenmeiler ablegen oder Spuren früherer Natur- und Klimaphasen zeigen.
Archivböden geben uns Einblicke in das Alltagsleben früherer Epochen und ermöglichen es uns, vergangene Lebenswelten zu erforschen. Dabei sind sie nicht nur für Bodenfachleute von Bedeutung, sondern auch für den Geotopschutz, den Bodendenkmalschutz, die Archäologie oder den Naturschutz. Das zeigt sich besonders gut am Beispiel der Moore. Diese speichern Reste früherer Vegetation, Pollen und Holz und erzählen so Geschichten von Klima- und Landschaftsentwicklung, indem sie dokumentieren, wie sich Vegetation und Klima im Laufe von Jahrtausenden verändert haben.

Archivboden Löss - ein Kind der Eiszeit
Auch im Kreis Düren gibt es Archivböden, die uns von früher erzählen. So ist die Jülich-Zülpicher Börde geprägt durch mächtige Lössböden. Der Großteil der Lössböden in Deutschland entstand während der letzten Eiszeit vor 115.000 bis 13.000 Jahren. Damals waren große Teile Deutschlands eine kalte, baumlose Steppe. Gletscher drangen von Norden und Süden vor und zersetzten Gestein zu Mineralstaub. Dieses feine Gesteinsmehl wurde aufgewirbelt und weit von den Entstehungsgebieten entfernt abgelagert, oft an den windabgewandten Hängen von Hügeln. In Norddeutschland geschah dies im Bereich nördlich der Ränder der Mittelgebirge. So sind die heutigen Bördelandschaften entstanden: mit der Jülich-Zülpicher Börde im Westen, der Magdeburger Börde bis zum Leipziger Becken und den Sächsischen Bergen im Osten.
Nach dem Ende der Eiszeiten setzten Verwitterungs- und Bodenbildungsprozesse ein. Unter dem Einfluss von Klima, Vegetation und Bodenorganismen wandelte sich der abgelagerte Löss allmählich in fruchtbare Böden um. Bodentiere und Mikroorganismen bildeten aus Pflanzenresten Humus, der von Bodenwühlern wie Maulwurf und Feldhamster tief in den Löss eingearbeitet wurde. Die heutigen Lössböden sind somit das Ergebnis eines langen geologischen Prozesses, der mit der Gletscherverwitterung begann, durch den Windtransport geprägt wurde und erst durch die nachfolgende Bodenbildung abgeschlossen ist. Es ist eine lange und spannende Naturgeschichte, die uns dieser Archivboden erzählt!
Archive der Kulturgeschichte
Als der Mensch sesshaft wurde, gestaltete er in zunehmendem Maße die ihn umgebende natürliche Umwelt in eine Kulturlandschaft um und hinterließ dabei Spuren, die Siedlungs- und Landnutzungsgeschichte(n) erzählen. Wallanlagen, Umrisse von Gebäuden und Siedlungen, Hügelgräber, Wölbäcker, Ackerterrassen und Hohlwege berichten von früheren Ereignissen - auch im Kreis Düren.

Hohlwege im Kreis Düren
So handelt es z.B. bei dem "Kall Trail" um einen Hohlweg. Über Jahrhunderte hinweg stellte der Weg die einzige Verbindung zwischen den Höhensiedlungen Vossenack und Schmidt bzw. Kommerscheidt dar. Das Kalltal wurde über eine Natursteinbrücke bei der Mestrenger Mühle gequert. Besonders bedeutsam wurde dieser Weg mit der Inbetriebnahme der Mestrenger Mühle 1663. Das gesamte Mahlgut wurde aus den Ortschaften über diesen Weg zur Mühle hin und später wieder zurück transportiert. Durch die Veränderungen, die der Weg im Zweiten Weltkrieg durchlaufen hat, ist der Weg, der heute als Wanderweg genutzt wird, allerdings nicht mehr leicht als Hohlweg zu erkennen.
In Untermaubach führt der Hohlweg „Fuchsberg“ in Verlängerung der Lindenstraße aus dem historischen Ortskern heraus. Der Hohlweg beeindruckt durch seine Ausprägung im Gelände. Selten: ihn begleitet eine steinverkleidete Entwässerungsrinne.
Ackerterrassen im Kreis Düren
An verschiedenen Stellen im Kreisgebiet finden sich Ackerterrassen. Das sind ebene Flächen, die künstlich in Hänge eingebaut wurden, um Ackerbau zu ermöglichen, wo es sonst aufgrund der Hangneigung nicht möglich wäre. Besonders gut sind die Ackerterrassen bei Heimbach-Hausen zu erkennen. Dort wechseln sich flache, ehemals als Acker genutzte Flächen mit steilen Böschungen oder Wällen ab. Die Wurzeln von Hecken und Bäumen, die entlang der Terrassierungen gepflanzt wurden, schützen bis heute vor Bodenabtrag an den erosionsgefährdeten Steilflanken der Terrassen.
Wie die meisten früheren Ackerterrassen hat bei Heimbach-Hausen inzwischen Grünlandnutzung die ehemaligen Ackerflächen ersetzt und der Waldanteil zugenommen. Entstanden ist ein wichtiger Lebensraum für viele Tier- und Pflanzenarten. Vor zweihundert Jahren allerdings wurde hier noch überwiegend Ackerbau betrieben.
Auch bei Kommerscheidt und im Wobestal bei Schmidt sind heute noch erkennbare Ackerterrassen zu finden.
Meilerplätze im Kalltal
Im Kalltal und dessen Nebentälern wurde zwischen dem 16. und 19. Jahrhundert an vielen Stellen Holz verkohlt. Die an den Meilerplätzen hergestellte Holzkohle wurde durch die Hüttenindustrie bei Zweifallshammer und westlich von Simonskall zur Verhüttung von Blei- und Eisenerzen benötigt. Im Huschelsbachtal befindet sich an der Stelle eines historischen Meilerplatzes eine Köhlerhütte. Der Eifelverein informiert an dieser Stelle mit einer Infotafel über die Köhlerei.
Kohlenmeilerboden aus dem Taunus, südlich von Idstein.
© Hessisches Landesamt für Naturschutz, Umwelt und Geologie

Der Todtenbruch bei Raffelsbrand
Der Todtenbruch ist ein in NRW relativ seltenes Hochmoor, das in seiner Funktion als Archivboden gewissermaßen sowohl natur- als auch kulturhistorisch interessante Elemente beinhaltet. Wie oben bereits beschrieben ist anhand von Mooren die Klima- und Landschaftsentwicklung erkennbar. Der Todtenbruch beinhaltet darüber hinaus aber weitere Merkmale, die auf seine wechselhafte Geschichte schließen lassen. So zeugen (inzwischen wieder verschlossene) Entwässerungsgräben von den Bestrebungen, das Moor zum Zweck des Torfabbaus trockenzulegen. Später wurde die Fläche mit Nadelbäumen bepflanzt, um Holz zur Erzeugung von Holzkohle zu haben, die man zur Eisenverhüttung nutzte. Im Zweiten Weltkrieg schließlich hat in der Umgebung eine stark umkämpfte Schlacht stattgefunden. Bunkerreste sind Zeugnisse dieser Zeit.
Passenderweise wurde im Todtenbruch ein Bodenlehrpfad eingerichtet, der Besuchern die Bedeutung des Bodens deutlich machen soll. Wenn Sie neugierig geworden sind, gehen Sie doch einfach mal auf Entdeckungstour!
Versiegelung vermeiden, Archivfunktionen bewahren!
Wird ein Boden, der Zeugnisse der Natur- und Kulturgeschichte beinhaltet, überbaut oder tief umgegraben, geht das in ihm bewahrte Wissen für immer verloren. Deshalb ist die Bodenfunktion „Archiv der Natur- und Kulturgeschichte“ sogar im Bundes-Bodenschutzgesetz verankert. Leider weist das Bodenschutzrecht aber keine speziellen Schutzgebiete für Archivböden aus. Umso wichtiger ist es, den Wert kultur- und naturhistorischer Böden zu erkennen und bei Planungen zu berücksichtigen!
Foto: Kohlenmeilerboden unter einem frisch aufgesetzten Meiler zur Herstellung von Holzkohle, ein Archivboden der Kulturgeschichte.
© Hessisches Landesamt für Naturschutz, Umwelt und Geologie.
Weitere Informationen zum Archivboden und allen anderen Jahresböden finden Sie beim Kuratorium Boden des Jahres. Von dort wurden wir zum Thema mit Informationen, Fotos und Dateien unterstützt und sagen danke!
Das Kuratorium Boden des Jahres hat es sich zur Aufgabe gemacht, in jedem Jahr einen Boden des Jahres zu küren und vorzustellen. Neben Namen und Verbreitung werden historische Fakten, die vorherrschende Nutzung und aktuelle Nöte der jeweiligen Böden präsentiert. Ziel der Aktion ist es, zur Bewusstseinsbildung für Böden und ihre Funktionen im Naturhaushalt beizutragen und möglichst viele Menschen zu erreichen. Die Verantwortung für den Schutz der lebenswichtigen Ressource Boden und ihrer Funktionen soll verbessert werden.
Das Kuratorium Boden des Jahres ist ein Gremium der Deutschen Bodenkundlichen Gesellschaft, des Bundesverbandes Boden sowie des Ingenieurtechnischen Verbandes für Altlastenmanagement und Flächenrecycling.