Rund 150 Jahre gab es keine Wölfe in Deutschland, sie waren ausgerottet worden. Nachdem sie 1979 durch die Berner Konvention in Europa unter Schutz gestellt wurden, sind sie in ganz Deutschland seit 1990 gesetzlich geschützt. Damit wurde der Grundstein für die Rückkehr der Wölfe gelegt. Der erste Wurf ist im Jahr 2000 nachgewiesen worden. Seitdem haben sie sich über größere Teile Deutschlands verbreitet.
Je mehr Wölfe nachgewiesen wurden, desto lauter wurden die Forderungen nach Regulierung der Zahl insbesondere durch Landwirte. Was zu der Frage führt: Brauchen wir den Wolf überhaupt?

Nahrung
Es ist richtig, der Wolf reißt hin und wieder (schlecht geschützte) Nutztiere. Überwiegend, sprich zu über 90 %, ernährt er sich von Rehen, Rothirschen oder Wildschweinen. Dazu kommen noch kleine Säugetiere wie Mäuse und Ratten oder auch Kaninchen, Hasen, Waschbären und Mufflons. Dabei erwischt er hauptsächlich alte und kranke Tiere oder unvorsichtige Jungtiere. Es bleiben die starken Tiere übrig, was eine Selektion hin zum Überleben und damit Fortpflanzen der fitten Individuen führt. Das kann kein Mensch leisten.
Herstellung eines Gleichgewichts
Die Gesamtzahl der Individuen wird kleiner, was weniger Verbiss an jungen Bäumen zur Folge hat. Hier muss man eine Einschränkung machen für Gebiete, in denen der Mensch durch Hege die Population von Schalenwild künstlich hochhält. Würde dieser Eingriff des Menschen nicht erfolgen, könnte sich ein Gleichgewicht zwischen Räuber (Wolf, Luchs) und Beute einstellen, wie es von der Natur vorgesehen ist. Damit haben wir als Menschen, in dem Fall Förster und Waldbauern, sogar einen direkten, greifbaren wirtschaftlichen Vorteil, nämlich weniger Arbeit und Aufwand beim Schutz von Baumschösslingen vor Verbiss und bessere Holzernte durch gerade gewachsene Bäume.

Verhalten des Wildes
Ein zweiter Punkt ist das veränderte Verhalten des Wildes. Die Beutetiere lernen schnell, dass ein Räuber im Gebiet ansässig ist und werden sich unauffälliger verhalten, versteckter leben. Sie werden ihre Futterplätze und auch die Wechsel häufiger ändern, um es dem Wolf nicht zu leicht zu machen. Das mag ein Nachteil für menschliche Jäger sein, die ihre Jagdmethoden und -plätze überdenken müssen. Für sie ist es nicht mehr so einfach, Tiere schießen zu können, aber es wird noch reichlich jagdbares Wild geben.
Vorteile auch für die Pflanzenwelt
Für die Pflanzenwelt hat dieses veränderte Verhalten durchaus Vorteile. Es wird nicht an bestimmten Stellen viel angefressen und zertrampelt, sondern immer etwas an unterschiedlichen Stellen. In der Zwischenzeit können sich die Pflanzen jeweils wieder erholen und nachwachsen. Als drittes kommt zum Tragen, dass Wölfe, wie auch andere Beutegreifer, ihre Beute nie restlos auffressen. Es bleiben immer Knochen und mehr oder weniger große Reste an Muskulatur und anderen Geweben übrig. Was passiert damit?

Resteverwerter
Wenn der Wolf von der Beute ablässt, erscheinen fast augenblicklich erste Insekten, Fliegen und verschiedene Käferarten, die anfangen dort zu fressen. Fliegen und auch andere Insekten legen im Kadaver gerne ihre Eier ab, aus denen dann Maden schlüpfen, die sich dort sehr gut ernähren können. Dazu kommen gerne auch Greifvögel, die sich auch von Aas ernähren. Des Weiteren bedienen sich Rabenvögel, Füchse, Ratten, sogar Eidechsen und Amphibien an Kadavern. Wildschweine kommen oft als letzte an die Reste, da sie gerne die Knochen knacken und Teile fressen. Schließlich sind es Pilze und Einzeller, die auch noch den letzten Rest im wahrsten Sinn dem Boden gleich machen.
Aufwertung des Bodens - Erhöhung der Artenvielfalt
Die Verdauungsprodukte all dieser Tiere werten enorm den Boden auf durch die entstehenden Nährstoffe. Die Artenvielfalt und die Zahl der Bodenlebewesen werden deutlich größer. Der Wald wird gesünder. Ein gutes Beispiel für die Auswirkungen auf das Ökosystem durch den Wolf findet man im Yellowstone Nationalpark. Dort waren die Wölfe 1926 ausgerottet worden und 1995 wurden Wölfe u.a. aus Kanada dort wieder ausgewildert. Sie reduzieren die übermäßig gestiegene Zahl der Wapitis, wodurch sich die Vegetation an Flussufern (bes. Weiden und Espen) erholen konnte und dadurch wiederum die Bodenerosion verringert werden konnte.
Kojoten wurden von den Wölfen gejagt, so dass deren Zahl sich drastisch verringerte, was zur Vermehrung von z. B. Kaninchen und Mäusen führte. Diese dienen jetzt anderen Beutegreifern wie Greifvögeln, Füchsen, u.a. als Nahrung.
Biber haben sich wieder angesiedelt und können Dämme aus Baumstämmen der Ufervegetation bauen und sich von dem Grün ernähren. Die Dämme verändern die Landschaft hin zu mehr Lebensräumen. All das zieht eine ganze Menge positiver Änderungen nach sich. Es würde den Rahmen hier sprengen, sie aufzuzählen. Die Rückkehr der Wölfe hat eine schon recht weitgehende Sanierung des Ökosystems gebracht.
Fazit:
Wölfe erfüllen eine sehr wichtige Aufgabe im Kreislauf der Natur und zur Stabilisierung von Ökosystemen. Sie sind ein wertvoller Bestandteil der Natur wie jedes andere Lebewesen. Als Beutegreifer erfüllen sie sogar eine extrem wichtige regulatorische Aufgabe. Für die Erhaltung funktionierender Ökosysteme brauchen wir den Wolf.