In jedem Jahr wird am 5. Dezember der Boden des Jahres gekürt. Der Stauwasserboden war der Boden des Jahres 2015. Wie der Name schon vermuten lässt, entsteht in diesem Boden Staunässe. Niederschlagswasser kann aufgrund der Bodenbeschaffenheit nur stark verzögert in den Untergrund versickern. Die nebenstehende Abbildung verdeutlicht das: Unter einem gut durchlässigen Stauwasserleiter folgt ein gering durchlässiger, dichter gelagerter Staukörper.
Die meisten Stauwasserböden werden als Pseudogleye bezeichnet. In Ihrem Erscheinungsbild ähneln sie den Gleyböden, die allerdings durch Grundwasser geprägt sind. Deshalb finden sich Gleyböden eher in Niederungen, Senken und Auenbereichen - also dort, wo der Grundwasserspiegel oberflächennah liegt.
Der Zusatz „Pseudo“ (griechisch für falsch) deutet also darauf hin, dass es sich beim Pseudogley nicht um einen echten Gley handelt. Denn im Gegensatz zum Gley ist der Pseudogley - wie eingangs schon beschrieben - nicht durch Grundwasser, sondern durch sich stauendes Niederschlagswasser geprägt. Nässe (Sauerstoffmangel) und Trockenheit (Luftzufuhr) wechseln sich im Jahresverlauf ab.

Wortherkunft
Der Begriff "Gley" ist übrigens auf das altdeutsche Wort „Klei“ zurückzuführen, das für entwässerten Schlick verwendet wurde.
Wichtig für den Naturhaushalt
Stauwasserböden speichern Niederschlagswasser und puffern so Niederschlagsspitzen. Das Wasser kann nach und nach verdunsten und von den Pflanzen verbraucht werden. Die Böden sind einzigartige Naturkörper, typische Wald- und Grünlandstandorte und damit Lebensraum seltener Tier- und Pflanzengemeinschaften. Auf Ihnen gedeihen u.a. Waldgesellschaften, die Wechselfeuchte bevorzugen, wie z.B. der Stieleichen-Hainbuchen-Maiglöckchenwald. Der Hambacher Wald beherbergt diese Pflanzengesellschaft und mit ihr viele weitere teils streng geschützte Arten wie z.B. die Bechsteinfledermaus.

Beeinträchtigungen von Pseudogley-Böden - am Beispiel des Hambacher Waldes
Pseudogley-Böden werden vom Wetter und von möglichen Klimaänderungen beeinflusst. Im Falle des Hambacher Waldes spielt ein weiterer Faktor eine bedeutende Rolle. Lt. einer durch die Autor*innen Pierre L. Ibisch, Jeanette S. Blumröder (Centre for Econics and Ecosystem Management an der Hochschule für nachhaltige Entwicklung Eberswalde) und Steffen Kriewald (Potsdam Institut für Klimafolgenforschung (PIK)) im Auftrag von Greenpeace e.V. erstellten Studie aus dem Jahr 2019 kann beobachtet werden, dass die vom Tagebau Hambach ausgehenden Randeffekte die Situation des schützenswerten Hambacher Forsts eklatant verschlechtern. An den Waldrändern zeige sich das vermehrte Absterben von Bäumen, die besonderem Hitze‐ und Trockenstress ausgesetzt sind. Zudem sei vor allem am dem Tagebau zugewandten Waldrand erheblicher Windwurf zu verzeichnen. Betroffen seien nicht nur die wenig standortgerechten Fichten, sondern vor allem auch die Buchen.

Tagebau führt zu Austrocknungserscheinungen
Lt. der Studie sind thermische Landschaftswirkungen der Tagebaue um den Hambacher Forst deutlich erkennbar. Die flächenmäßige Erweiterung der Tagebaue habe zu einer Erwärmung der Gesamtlandschaft beigetragen, was in besonderem Maße Waldökosysteme betreffe. Denn diese bewirken - unter der Voraussetzung, dass sie eine entsprechende Größe und ökologische Ausstattung haben - eine niedrigere Landschaftstemperatur. Lt. der Studie wurde auf der Fläche zwischen dem Tagebau Hambach und dem Hambacher Forst im Sommer 2018 ein Temperaturunterschied von ca. 11°C bzw. bis zu 19°C beobachtet. Deshalb sei davon auszugehen, dass der Tagebau Hambach eine stark erhitzende und damit einhergehende austrocknende Wirkung auf den relativ kleinen Restwald ausübt.
Bei der Eröffnung des Bürge-Zentrums für nachhaltige Entwicklung in Buir wird klar:
Auch Entwässerung führt zu negativen Auswirkungen
Am 29.03.2026 wurde durch den NABU NRW in Kerpen-Buir das „Bürge-Zentrum für nachhaltige Entwicklung“ im Rahmen des Projektes „MutZuRNatuRR“ eröffnet. Das Ziel des NABU NRW ist es, Kompetenzen aufzubauen, Engagement zu bündeln und neue Beteiligungsmöglichkeiten für alle an Nachhaltigkeit im Rheinischen Revier Engagierten und Interessierten zu schaffen.

Zur Eröffnung begrüßten die Vorsitzende des NABU NRW, Heide Naderer, und das vierköpfige Team des Bürge-Zentrums viele interessierte Menschen, die sich unter Begleitung des Waldführers Michael Zobel zu einer Führung in den Hambacher Wald aufmachten. Dort erfuhren Sie, dass der Hambacher Wald auch durch Entwässerung gefährdet ist.
Auf der dem Tagebau zugewandten Seite wurde der Boden quasi angeschnitten. Das beeinträchtigt zwar nicht die grundsätzliche Wasserspeicherfähigkeit des Bodens, da diese wesentlich durch die Feinporen bestimmt wird. Die Wasserspeicherfähigkeit wird je nach Bodenart und der damit verbundenen Porenverteilung der wasserleitenden Schicht geprägt.
Was sich jedoch tatsächlich ändern kann, sind die Abflussverhältnisse: Insbesondere aus den Grobporen kann Wasser bei entsprechendem Gefälle lateral austreten, sodass sich die Stauwasserverhältnisse und damit die Wasserverfügbarkeit im oberen Bodenbereich verändern. Dadurch besteht die Gefahr eines erleichterten Abflusses des Stauwassers.
Weitere Informationen zum Archivboden und allen anderen Jahresböden finden Sie beim Kuratorium Boden des Jahres. Von dort wurden wir zum Thema mit Informationen, Fotos und Dateien unterstützt und sagen danke!
Das Kuratorium Boden des Jahres hat es sich zur Aufgabe gemacht, in jedem Jahr einen Boden des Jahres zu küren und vorzustellen. Neben Namen und Verbreitung werden historische Fakten, die vorherrschende Nutzung und aktuelle Nöte der jeweiligen Böden präsentiert. Ziel der Aktion ist es, zur Bewusstseinsbildung für Böden und ihre Funktionen im Naturhaushalt beizutragen und möglichst viele Menschen zu erreichen. Die Verantwortung für den Schutz der lebenswichtigen Ressource Boden und ihrer Funktionen soll verbessert werden.
Das Kuratorium Boden des Jahres ist ein Gremium der Deutschen Bodenkundlichen Gesellschaft, des Bundesverbandes Boden sowie des Ingenieurtechnischen Verbandes für Altlastenmanagement und Flächenrecycling.