Herbstzeit - Pilzzeit!?

... ist das wirklich so?

von Achim Schumacher


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Stockschwämmchen (Foto: Achim Schumacher)

Viele Menschen verbinden mit der Herbstzeit nicht nur das frühe Dunkelwerden oder die bunten Herbstwälder. Der Herbst ist auch die Zeit der Pilze. Doch kann man wirklich nur im Herbst Pilze finden? 

Das stimmt natürlich nicht. Von den bisher gut 14.000 nachgewiesenen Pilzarten in Deutschland (davon allein gut 5000 Großpilzarten, die man mit dem Auge erkennen kann) wachsen zwar viele Arten besonders zahlreich im Herbst, doch kann man das ganze Jahr über eine Vielzahl an Pilzarten entdecken. Man schätzt sogar, dass es in Deutschland noch weitaus mehr als die bisher nachgewiesenen Pilze gibt.

Schleimpilze - Tier oder Pilz?

Im Herbst schießen die Pilze aber sprichwörtlich aus dem Boden. Spannend ist dabei deren Vielfältigkeit in Form, Beschaffenheit, Farbe und Struktur. Doch was sind Pilze überhaupt? Bis zum Mittelalter dachte man, dass Pilze keine Lebewesen seien, später wurden sie den Pflanzen zugeordnet. Heute werden sie neben den Tieren und Pflanzen als eigene Gruppe anerkannt, obwohl manche Arten näher an die Tiere herangerückt werden, bspw. die Schleimpilze.

von  links nach rechts: Korallenschleimpilz, Schleimpilze (Alle Fotos: Achim Schumacher)

Eigentlich ist der Pilz nicht der Pilz! Was wir sehen ist der Fruchtkörper!

Das, was wir im Wald oftmals als Pilz wahrnehmen, ist in Wirklichkeit jedoch nur der Fruchtkörper, den der Pilz bildet, um seine Sporen zu verbreiten und sich somit zu vermehren. Der eigentliche Pilz ist als Myzel im Boden- oder Holzsubstrat verzweigt und kann wenige Zentimeter bis zu mehreren Kilometern lang sein. Somit bilden manche Pilzarten die größten Organismen unseres Planeten. Die Sporen der Pilze sind mikroskopisch klein und umgeben uns allgegenwärtig. Gut kann man dies bei der Bildung von Schimmelpilzen beobachten, die bei uns in den Wohnhäusern geschieht, wo man eigentlich nicht mit Schimmelsporen rechnen würde, doch sie sind da.

von  links nach rechts: Gelber Knollenblätterpilz, Herbstlorchel, Igelstäubling (Alle Fotos: Achim Schumacher)

Pilze übernehmen wichtige Funktionen im Stoffkreislauf der Ökosysteme!

In der Natur übernehmen Pilze eine wichtige Funktion, da sie neben den Bakterien zu den Zersetzerorganismen (Destruenten) im Stoffkreislauf der Ökosysteme gehören. Sie bauen beispielsweise Holz, vertrocknete Blätter, Früchte, aber auch Horn und Fette ab. Dabei führen sie Stickstoffverbindungen und andere Stoffe in den Boden zurück, die dadurch Pflanzen und Tieren erneut zur Verfügung stehen. Diese „Recycling“-Aufgabe macht Pilze aus ökologischer Sicht zu den Ernährern des Waldes. Doch sie sind nicht nur „Zerstörer“, sondern gehen mit vielen Baum- und Pflanzenarten eine Symbiose ein. Als Mykorrhizapilze umkleiden die Feinwurzeln des Baumes, sammeln Nährstoffe und leiten diese zusammen mit Wasser den Pflanzen zu. Im Gegenzug erhält der Pilz die zu seinem Leben erforderlichen Stoffe, also vor allem Zucker, Eiweiße und Vitamine.

von  links nach rechts: Adernseitling, Leberreischling, Tannenstachelbart (Alle Fotos: Achim Schumacher)

Eine Vielfalt an Farben und Formen!

Spannend wird es dann, wenn man sich einmal mit der Formvielfalt der Pilze beschäftigt. Neben den allseits bekannten Fliegenpilz, der zu den Lamellenpilzen gehört, gibt es noch viele weitere Pilzfamilien wie die Röhrenpilze (z.B. der Steinpilz), die Korallenpilze, Seitlinge, Schleimpilze, Porlinge oder Becherlinge, um nur ein paar zu nennen. Die Vielfalt ist grenzenlos und unglaublich faszinierend. Also achten Sie doch beim nächsten Waldspaziergang einmal auf die unglaublich spannenden Pilze am Wegesrand und lassen sich von der Vielfalt überraschen…