Neophyten - pflanzliche Einwanderer

Vielerorts bringen sie "wachsende" Probleme mit sich


Neophyten Neobiota Pflanzen invasiv Riesen Bärenklau Herkulesstaude Heracleum mantegazzianum NABU Düren
Riesen-Bärenklau/Herkulesstaude (Heracleum mantegazzianum) (Foto: Wolfgang Katz/NABU-naturgucker.de)

Als Neophyten werden Pflanzen bezeichnet, die sich in Gebieten ansiedeln, in denen sie zuvor nicht heimisch waren. Dabei gelingt der vielzitierte Sprung über den Gartenzaun kaum einer Pflanzenart aus eigener Kraft. Meist hilft der Mensch kräftig mit. Viele der Neophyten sind auch nicht aus Gärten entflohen, sondern wurden angepflanzt, weil sie schnelle Holzernten bringen, attraktiv als Zierpflanzen sind, gerne vom Wild gefressen werden oder gute Honigbienennahrung sind. 

Seit der Entdeckung Amerikas 1492 sind in Deutschland laut Bundesamt für Naturschutz rund 1600 Pflanzenarten neu eingeschleppt worden. Von diesen sogenannten Neophyten haben sich immerhin rund 430 Arten in der freien Natur etabliert, doch nur knapp 40 gelten amtlich als invasiv. Invasionspflanzen sind vor allem extrem vermehrungsfreudig. Riesen-Bärenklau und Kanadische Goldrute etwa produzieren je Pflanze rund 20.000 Samen, beim Japanknöterich reichen winzige Wurzelstücke, damit sich daraus neue übermannshohe Pflanzen bilden.

Gartenabfall: nicht nur Grünzeugs, das verrottet

Auch in der Natur entsorgte Gartenabfälle werden zum Problem. Die Biotonne ist voll, der Weg zur Kompostierungsanlage zu weit – ab damit ins Gebüsch. Diese Art der Abfallentsorgung führt örtlich zu Überdüngung und vor allem wachsen an solchen Stellen neben Waldpflanzen plötzlich auch Zier- und Nutzpflanzen aus den Gärten. Zwar werden die meisten dieser Arten in der „Wildnis“ nicht dauerhaft überleben. Sie sind zu konkurrenzschwach, haben Probleme mit harten Wintern oder bilden mit ihren gefüllten Blüten ohnehin keine Samen aus. Aber vielleicht wächst irgendwo aus den Abfallhaufen auch eine echte Invasionspflanze hervor, vom Kaliber der Kanadischen Goldrute, des Japanknöterich oder des Riesen-Bärenklau. 

Foto links: NABU/Karin Flohr

Foto rechts: Dr. Ute Nieveler (Sondermüll-Behälter in der Schweiz, nahe Interlaken)

Invasive Neophyten verdrängen übrigens nur natürliche Pflanzengesellschaften sondern gleichzeitig auch unzählige an die heimische Flora angepasste Tierarten.


Die Herkulesstaude, auch Riesen-Bärenklau (Heracleum mantegazzianum)

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Riesen-Bärenklau/Herkulesstaude (Foto: Wolfgang Katz/NABU-naturgucker.de)

Die Herkulesstaude ist ein Doldenblütler, der eine Höhe von 3 Metern und mehr (in einzelnen Fällen bis 5 Meter) erreicht. Im 19. Jahrhundert wurde die Art hauptsächlich als Zierpflanze aus dem Kaukasus importiert. Sie war lange Zeit bei den Imkern als Bienenweide sehr beliebt und wurde von ihnen auch verbreitet. Der Riesen-Bärenklau ist eine zwei- bis dreijährige Pflanze, die zuerst eine Blattrosette bildet und dann im zweiten oder dritten Jahr blüht. Er wächst an Ufern, Waldrändern und manchmal auch in Gärten. In Verruf ist sie geraten, weil sie ein Kontaktgift enthält, das zusammen mit Sonneneinstrahlung zu Hautverätzungen führt (Phototoxische Reaktion).

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Riesen-Bärenklau/Herkulesstaude (Foto: Wolfgang Katz/NABU-naturgucker.de)

Verdrängung heimischer Pflanzen

Doch auch sonst ist die Herkulesstaude nicht unproblematisch. Sie verdrängt andere heimische Pflanzen, weil sie sehr früh im Jahr keimt und schnell wächst. Ihre großen Blätter verschatten zudem die übrige Vegetation und behindern damit deren Entwicklung. Zu beobachten ist das z.B. an der neuen Inde. Dort gibt es große Bestände des Riesen-Bärenklaus. Durch seine Vermehrungsfähigkeit und Hochwüchsigkeit hat die dort üblicherweise vorkommende Vegetation immer weniger Chancen, sich durchzusetzen und ist an verschiedenen Stellen bereits weitgehend verschwunden. Weil die Wurzeln des Bärenklaus nicht stark verzweigt sind und den Boden kaum festhalten, führt die Verdrängung natürlich vorkommender Pflanzen insbesondere entlang von Wasserläufen zu verstärkter Erosion.

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Blütendolde der Herkulesstaude (Foto: Verena Schnarr/NABU-naturgucker.de)

 Die Bekämpfung ist langwierig und erfordert große Anstrengungen

Der Einsatz gegen den Riesen-Bärenklau ist mühselig. Man kann ihn ausgraben, was aufgrund der Gefahr von Hautverätzungen aber nur mit geeigneter Schutzausrüstung möglich ist. Auch Mähen, Abstechen, Fräsen und Abdecken mit Folie (vier Wochen) kann zum Erfolg führen, ist aber ohne Hautschutz ebenfalls nicht möglich. Als wirksame Bekämpfungsmethode gilt das Abschneiden sämtlicher Blütendolden vor der Samenreife. In deren Folge stirbt die Pflanze ab. Um ein erneutes Wachstum von Riesen-Bärenklau zu verhindern, muss das Abschneiden mehrere Jahre wiederholt werden, da die Samen noch im Boden lagern. Insgesamt ist die Beseitigung der Herkulesstaude eine sehr langwierige und aufreibende Sache, die sich über einige Jahre hinziehen kann, bevor sich Erfolge abzeichnen.


Der Japanische Staudenknöterich (Reynoutria japonica)

Neophyten Neobiota Pflanzen invasiv Japanischer Staudenknöterich Reynoutria japonica NABU Düren
Japanischer Staudenknöterich (Foto: Wolfgang Katz/NABU-naturgucker.de)

Dieses Knöterichgewächs wird bis vier Meter hoch und bildet dichte Bestände. Heimat ist der Ostasiatische Raum, China, Korea und Japan. Die Pflanze zählt zu den Stauden und wurde im 19. Jahrhundert als Zier- und Futterpflanze eingeführt, wird aber vom Vieh nicht angenommen. Die Blühpflanze stirbt im Herbst ab und schlägt im Folgejahr wieder aus der Wurzel aus.  Der Staudenknöterich bildet über weite Strecken rasch Dominanzbestände. Die heimische Pflanzenvielfalt wird verdrängt und die Biodiversität nachhaltig geschädigt. Die Pflanze ist bezüglich ihrer Standortansprüche sehr unspezifisch und wächst auf den unterschiedlichsten Flächen, von trockenen Brachflächen, entlang von Verkehrswegen, am Rande gut gedüngter Parkanlagen und besonders gerne auch entlang von Fließgewässern. 

Neophyten Neobiota Pflanzen invasiv Japanischer Staudenknöterich Reynoutria japonica NABU Düren
Japanischer Staudenknöterich (Foto: Wolfgang Katz/NABU-naturgucker.de)

Problem Erosion besonders an Fließgewässern

Insbesondere an Fließgewässern ist das Wurzelsystem ein Problem. Wie bei einem Eisberg findet sich auch beim Knöterich ein Großteil der (Pflanzen)masse unter der Oberfläche, wodurch das nachhaltige Entfernen der Pflanze nahezu unmöglich ist. Die mehrere Meter tiefen Rhizome bilden unterirdische Ausläufer, wodurch sich die Staude in alle Richtungen verbreitet und ständig an Masse zulegt. Die Gewässerufer werden sukzessive destabilisiert. Sterben im Herbst die oberirdischen Pflanzenteile ab, verbleibt eine stark erosionsgefährdete Oberbodenschicht. Kleine Stücke von Spross und Rhizom können anwurzeln und einen neuen Stock bilden, was gerade entlang von Gewässern ein Problem darstellt. Die Art kann so einfach über weite Strecken verfrachtet werden. Das macht die Bekämpfung besonders entlang von Fließgewässern sehr schwierig.

 Zeit- und kostenintensive Bekämpfung

Die Bekämpfung des Knöterichs ist extrem zeit- und kostenintensiv. Hat sich die Art erst einmal an einem Standort etabliert, hilft nur noch eine regelmäßige Mahd alle drei - vier Wochen mindestens sechs Mal pro Jahr, um die Ausbreitung möglichst einzudämmen. Hinzu kommen dann noch die Entsorgungskosten. Das Schnittgut darf nicht kompostiert werden, da wie oben geschrieben bereits wenige cm große Spross- oder Rhizomstücke wieder anwurzeln können, sondern muss verbrannt werden. Eine andere Art, das Problem anzugehen ist die sehr aufwändige und mühsame Abdeckung mit Folien oder die Beweidung der Flächen.


Das Drüsige Springkraut (Impatiens glandulifera)

Neophyten Neobiota Pflanzen invasiv Drüsiges Springkraut Impatiens glandulifera NABU Düren
Drüsiges Springkraut (Foto: Reinhard Naumann/NABU-naturgucker.de)

Das Indische oder Drüsige Springkraut hat bestimmt jeder schon einmal gesehen. Es ist verwandt mit unserem gelbblühenden Springkraut, dem "Rühr-mich-nicht-an". Die Pflanzen werden so genannt, weil ihre reifen Samenkapseln bei der geringsten Berührung explosionsartig aufspringen und die Samen wie bei einem Schleudermechanismus weit wegschleudern. Das Drüsige Springkraut erreicht eine Höhe von mehr als 2,5 Meter und bildet dichte Bestände. Heimat ist der westliche Himalaya. 1839 wurde es nach England eingeführt und gelangte von dort als Zierpflanze auf den europäischen Kontinent. Mittlerweile ist es in (fast) ganz Europa verbreitet.

Bekämpfung weniger problematisch als bei anderen Neophyten

Dieser invasive Neophyt verfügt über ein enormes Ausbreitungs- und Verdrängungspotential, allerdings ist die Bekämpfung der einjährigen Pflanzen einfacher als bei den anderen Neophyten. Weil es einjährig ist und die Verbreitung über die Samen erfolgt, kann eine Mahd zur rechten Zeit ausreichend sein. Möglicherweise wird das Problem aber auch unterschätzt, denn das Indische Springkraut hat durch die Schleuderwirkung der Fruchtstände (bis zu acht Metern) die Möglichkeit, schnell wieder von benachbarten Flächen einzuwandern. Es wird seinem Namen also gerecht!


Kanadische Goldrute (Solidago canadensis)

Neophyten Neobiota Pflanzen invasiv Kanadische Goldrute Solidago canadensis NABU Düren
Kanadische Goldrute (Foto: Rolf Jantz/NABU-naturgucker.de)

Die Kanadische Goldrute stammt aus Nordamerika und wurde schon ca. 1650 als Zierpflanze in England eingeführt, in Deutschland um 1900. Seit den 1950er-Jahren breitet sich die krautartige Pflanze rasant aus. Sicher haben Sie sie schon einmal wahrgenommen, denn sie ist ein bekannter Anblick in unseren Gärten. Die gelben Blüten tauchen von Ende Juli bis in den Oktober in vielen Gärten auf. Sie wächst kräftig und bis zu zwei Meter hoch. Weil sie so häufig ist, fällt die Kanadische Goldrute als Neophyt kaum auf. Sie ist hübsch anzusehen und bietet Blüten besuchenden Insekten reichlich Nahrung. Dabei wird allerdings ihr Verdrängungspotential unterschätzt, denn sie verbreitet sich unterirdisch über Wurzelausläufer und jede Pflanze bildet tausende Samen. So kann sie in kurzer Zeit große Flächen einnehmen und die dortige Vegetation verdrängen.

Regelmäßige Mahd hilft, die Pflanzen zu schwächen

Hat sich die Kanadische Goldrute bereits weit ausgebreitet, hilft eine regelmäßige Mahd vor der Blüte, um die Pflanzen sukzessive zu schwächen. Bei kleineren Beständen können diese auch ausgerissen oder die Blütenstände vor der Samenreife abgeschnitten werden, damit sich die Pflanze nicht ausbreitet. Abschnitte gehören in den Hausmüll, da die Pflanze ansonsten im Kompost nachreifen und sich weiterverbreiten kann.


Vielblättrige Lupine (Lupinus polyphyllus)

Neophyten Neobiota Pflanzen invasiv Vielblättrige Lupine Lupinus polyphyllus NABU Düren
Vielblättrige Lupine (Foto: Wolfgang Katz/NABU-naturgucker.de)

Die aus Nordamerika stammende „Stauden-Lupine“ ist ein Schmetterlingsblütler und wird bis zu 1,50 Meter hoch. Sie wurde seit 1833 als Zierpflanze in Europa kultiviert. Sie blüht meist ab dem zweiten Jahr von Ende Mai bis Anfang August bläulich und vermehrt sich unterirdisch durch Ausläufer. Eine Pflanze bildet zudem bis zu 2.000 Samen, welche von den Hülsen explosionsartig ausgeschleudert werden. Auch verbreiten Tiere die Samen über größere Distanzen. Die Vielblättrige Lupine breitet sich stark an Böschungen, Waldrändern und auf Lichtungen aus. Was auf den ersten Blick nach schöner lila Blütenpracht aussieht, ist eine akute Bedrohung der einheimischen Vegetation. Die Lupine gilt als sich schnell und stark ausbreitender Neophyt. Sie besiedelt sehr erfolgreich verschiedene Ökosysteme und zählt zu den 15 häufigsten invasiven Arten in Deutschland.

Neophyten Neobiota Pflanzen invasiv Vielblättrige Lupine Lupinus polyphyllus NABU Düren
Vielblättrige Lupine (Foto: Hans-Werner Neumann/NABU-naturgucker.de)

Stickstoffanreicherung kann problematisch sein

Weil sie - wie andere Leguminosen - die Eigenschaft hat, Stickstoff im Boden anzureichern, und durch ihre tiefen Wurzeln die Bodenstruktur verbessern kann, wurde die Lupine im 20. Jahrhundert u.a. im Ackerbau als Vor- und Zwischenfrucht angesät. Das ist wohl auch der Grund, dass Lupinen auf der Dreiborner Hochfläche im Nationalpark Eifel in großer Zahl zu finden sind. Das Problem ist, dass heimische Pflanzen, die an magere Flächen angepasst sind, aufgrund des erhöhten Stickstoffangebots, dass die Lupine mitbringt, und durch deren starke Ausbreitung nicht mehr wachsen können. Die Lupine überwuchert auch die Nester bodenbrütender Vögel und liefert kaum Nahrung für den Nachwuchs.

 Ausstechen oder Mähen kann die Ausbreitung eindämmen

Wenn die Lupine sich noch nicht stark ausgebreitet hat, kann man sie mit einem Ampferstecher oder Spaten loswerden. Ansonsten kann die Ausbreitung durch mehrmaliges Abmähen vor dem Versamen eingedämmt werden. Es darf allerdings nicht nach der Samenreife geschnitten werden, weil dadurch die weitere Ausbreitung gefördert wird.


Schmetterlingsflieder (Buddleja davidii)

Neophyten Neobiota Pflanzen invasiv Schmetterlingsflieder Buddleja davidii NABU Düren
Schmetterlingsflieder (Foto: Wolfgang Katz/NABU-naturgucker.de)

Ursprünglich stammt der Schmetterlingsflieder aus China und Tibet. Er ist als Zierpflanze nach Europa gebracht worden und hat sich hier auch in freier Natur etablieren können, weil ihm das Klima zusagt. Der Schmetterlingsflieder ist ein sommergrüner Strauch mit einer Wuchshöhe von 0,5 m bis 5 Meter. Sehr auffällig sind die endständigen, aufrechten und dichten Blütenstände. In diesen Blütenständen befinden sich viele kleine violette, rosafarbene oder selten weiße Blüten. Sie verströmen einen Duft nach Honig, der auf Schmetterlinge und andere Insekten anziehend wirkt. Ganz unumstritten ist die Pflanze aber dennoch nicht. Denn der Strauch ist ein Neophyt, der durch sein großes Ausbreitungspotential heimische Pflanzen verdrängen kann und so dazu beiträgt, die Artenvielfalt zu reduzieren. Im Gegensatz zu vielen heimischen Sträuchern bietet der Schmetterlingsflieder keine Nahrung für Schmetterlingsraupen und spezialisierte Wildbienen.

Schmetterlingsflieder im Garten? So können Sie der rasanten Ausbreitung entgegenwirken

Wenn Sie einen Schmetterlingsflieder im Garten haben, müssen Sie diesen aber natürlich nicht gleich herausreissen. Um der rasanten Ausbreitung von Buddleja davidii entgegenzusteuern, kann es helfen, Blütenstände frühzeitig zu entfernen, bevor sie Früchte tragen. So wird die Samenproduktion eingedämmt und der Flieder kann im Zaum gehalten werden. Auch nach der Blüte im Herbst kann man verwelkte Blütenstände abschneiden. Insgesamt sollte der Strauch aber nicht allzu oft geschnitten werden, denn das steigert die Blüten- und damit auch die Samenfülle. In manchen Gärtnereien oder Baumschulen gibt es sogar bereits Schmetterlingsflieder, die sich nicht mehr per Aussamung verbreiten können.


Kirschlorbeer (Prunus laurocerasus)

Neophyten Neobiota Pflanzen invasiv Kirschlorbeer Prunus laurocerasus NABU Düren
Blüte des Kirschlorbeers (Foto: Rolf Jantz/NABU-naturgucker.de)

Der immergrüne Strauch besticht mit seinem schnellwachsenden, glänzenden immergrünen Laub. Gartencenter versprechen einen Höhenzuwachs von 40 bis 50 Zentimeter pro Jahr. Nur wenige Pflanzen pro Laufmeter sind notwendig, da sie auch in die Breite stark wachsen. Prunus laurocerasus ist zudem anspruchslos, robust gegen Schädlingsbefall, trockenheitsverträglich, winterhart und bietet das ganze Jahr über Sichtschutz und einen ordentlich abgegrenzten Garten. Hinzu kommt noch sein unschlagbar günstiger Preis – also eigentlich ein optimaler Heckenstrauch für immer heißer und trockener werdende Sommer. 

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Früchte des Kirschlorbeers (Foto: Joachim Das/NABU-naturgucker.de)

Durstige Pflanze mit nahezu unkompostierbaren Blättern

Was Händler*innen leider oft für sich behalten ist, dass die stark Wasser ziehende Pflanze hochgiftig, das Beschneiden mühsam ist und die Samenverbreitung ein großes Problem für die heimische Natur darstellt. Seine blausäurehaltigen Blätter sind nahezu unkompostierbar und er muss immer wieder nachgeschnitten werden. Angesägte Blätter verfärben sich braun und ein gerader Schnitt mit der elektrischen Heckenschere ist eher nicht zu empfehlen. Da muss der/die Gärtner*in schon mit der Handschere ran.

Fatal für die Natur wird es, wenn Vögel die Samen des aus Vorderasien stammenden invasiven Gewächses in Naturschutzgebiete tragen, oder wenn Grünschnitt unsachgemäß entsorgt wird. Weil die Blätter auf dem Komposthaufen so schlecht verrotten, werden sie gern am Waldrand oder anderswo in der Natur entsorgt. Das ist aus gutem Grund verboten, hat es doch fatale Folgen für Ökosysteme wie den Wald. Dort verdrängt die Lorbeerkirsche dann schnell heimische Pflanzen, die Nahrung für die Insekten bieten. Sein Umfeld verarmt und es steht zu befürchten, dass wir mit großem Aufwand Schadensbegrenzung werden leisten müssen.


Alternativen zu Neophyten im Garten

Manche Neophyten wie Schmetterlingsflieder oder Kanadische Goldrute bieten Nahrung für wenige, nicht spezialisierte Insekten. Wenn es also summt und brummt, könnte man zu dem Schluss kommen, es sei doch alles ok. Leider trügt der Schein. Wichtig für die Artenvielfalt sind die heimischen wilden Vertreter der Blühpflanzen. Denn sie bieten vielen verschiedenen, spezialisierten Insektenarten Pollen und Nektar. Außerdem: einmal ausgepflanzt, wandern Schmetterlingsflieder und Co. vom Garten unkontrolliert in die umliegende Landschaft ab, wo sie heimische Nahrungspflanzen von Insekten im großen Stil verdrängen. So färbt das drüsige Springkraut bereits große Gebiete entlang von Waldrändern und Flussauen rosa und der asiatische Schmetterlingsflieder dominiert weitläufig die Bahndämme.

Wer heimische Wildpflanzen willkommen heißt, tut vielen Insekten etwas Gutes: Tagfalterraupen wie Kleiner Fuchs oder Admiral tummeln sich an Brennnessel, Bläulinge und Gelblinge an Klee und Wicke. Solche Wildpflanzen wandern von ganz alleine ein. Nachstehend beispielhaft eine Auswahl guter Alternativen zu Neophyten im Garten:

Gewöhnlicher Löwenzahn (Taraxacum sect. Ruderalia): Die Pusteblume ist unverwüstlich, ausdauernd und vielseitig. Die mehrjährige Pflanze blüht kräftig gelb von März bis Juni und erlebt im Spätsommer oft eine Renaissance. Löwenzahn-Pollen und -Nektar sind eine wichtige Nahrungsquelle insbesondere für früh fliegende Wildbienenarten zur Aufzucht der neuen Generationen, Blüten und Blätter sind essbar und vielseitig nutzbar. Die Samen schmecken dem Stieglitz.

Blutweiderich (Lythrum salicaria)Wegen seines Nektars finden sich am Blut-Weiderich oft verschiedene tagaktive Schmetterlinge zum Trinken ein, darunter Weißlinge, C-Falter und Kleiner Fuchs. Besonders für Raupen einiger Nachtfalter ist er auch eine wichtige Futterpflanze. Die Blütezeit dauert von Juni bis September und im Oktober sind meist noch die grünen Pflanzenteile inklusive der Samenstände zu beobachten.

Gewöhnliche Eselsdistel (Onopordum acanthium): Im ersten Jahr erscheint die Blattrosette, im zweiten blüht sie rosarot im Hochsommer. Wespen, Schmetterlinge und Schwebfliegen holen sich ihren Pollen. Weil sie trockene Standorte mag, wächst sie auf Verkehrsinseln, Trockenwiesen, Feldern und an Gartenrädern.

Felsenbirne (Amelanchier ovalis): Durch ihre Herbstfärbung, die von gelb bis rot reicht, ist auch die für den herbstlichen Garten besonders geeignet. Ab April blühen zahlreiche kleine weiße Blüten, die für viele verschiedene Insekten Nahrungsquelle sind.

Wilde Möhre (Daucus carota): Wo sie ihre großen weißen Blütendolden in die Höhe reckt, haben die Raupen des Schwalbenschwanzes was zu futtern, die sich von den Blättern der Wilden Möhre ernähren. Die Blüten werden von Wildbienen, Blattwespen, Wanzen, Käfern und Fliegen aller Art besucht“.

Große Brennnessel (Urtica dioica): Wenig beliebt bei Gärtnerinnen und Gärtnern, aber umso mehr bei Insekten ist die nährstoffliebende Brennnessel. Weil sie mehr als dreißig heimischen Falterarten als Raupenfutterpflanze dient, sollte man ihr auf jeden Fall einen Platz am Rande des Gartens geben. Eine wilde Ecke bietet sich an, wo Schnittgut gelagert wird. Ein Sud aus der Pflanze hilft gegen Blattläuse und Milben. Blätter und Samen sind sehr vitaminreich und essbar.

Schlehe/Schwarzdorn (Prunus spinosa): Ist mit seinen fünfblättrigen weißen Blüten eine wichtige Nektarquelle im Frühjahr. Neben Haus- und Wildbienen tummeln sich hier Hummeln, Schwebfliegen und Schmetterlinge. Die Schlehe gilt als typischer Schmetterlingsstrauch, die Blätter werden von rund 70 Schmetterlingsarten zur Eiablage aufgesucht. Im Sommer bieten sein struppiger Wuchs und seine Dornen den Nestern von Amsel, Rotkehlchen und Zaunkönig Schutz. Vögel wie der Neuntöter nutzen Schlehenhecken daneben gerne als Futterplatz. Und ab Herbst locken dann die schwarz-blauen, herben Schlehenfrüchte nicht nur Tiere zum Verzehr.

Ruprechtskraut (Geranium robertianum): Diese Pflanze hat es in sich: Sie blüht von Frühjahr bis Herbst an zahlreichen kleinen rosa Blüten und lockt auch kleine Wildbienen an. Die auch Stinkender Storchschnabel genannte Pflanze sorgt nach der Blüte kurze Zeit mit roten Blättern für Farbtupfer im Garten. Sie füllt gerne Lücken im Garten und ist so eine schöne Ergänzung.


Hintergrundinformationen des Bundesamtes für Naturschutz (BfN) und links zum jeweils aktuellen Stand der Listen invasiver Pflanzen- und Tierarten gibt es unter Neobiota: Neobiota - Gebietsfremde und invasive Arten (bfn.de).

Auch das Landesamt für Natur, Umwelt und Verbraucherschutz Nordrhein-Westfalen stellt auf seiner Webseite Informationen bereit: Neobiota in NRW - Start