Viele Wetterprognostiker haben das Jahr 2025 schon zu einem Rekordsommer heraufbeschworen, bei dem ein Wetterextrem auf das andere folgen sollte. Ende Juni schien es dann soweit zu sein und die Temperaturen schossen landesweit bis auf 40°C hoch. In dieser Zeit fällt es dem Naturbeobachter schwer, passende Bedingungen vorzufinden. Doch dann kam die Idee, es gibt ja dämmerungs- und nachtaktive Arten, die dann aktiv werden, wenn es abends abkühlt. Also beschloss ich mit einem Fotofreund in die Drover Heide zu fahren, um den Ziegenmelker zu fotografieren.

Der Ziegenmelker, oder auch Nachtschwalbe genannt, ist schon lange auf meiner Wunschliste von Arten, die ich gerne einmal ansprechend fotografieren wollte. Wo er vorkommt, war mir bekannt, da ich seit vielen Jahren naturkundliche Führungen für den NABU eben zur Nachtschwalbe durchführe und man die Vögel immer sicher vom Wanderweg aus ohne Störung beobachten kann. Mit ihrem schnarrenden Gesang und dem Flügelklatschen im Flug sind es schon imposante Tiere, die im Scherenschnitt der Dunkelheit zu beeindrucken wissen.

An diesem Abend gingen wir also voller Vorfreude in die Heide, ohne viel zu Erwarten. So kam es dann auch. Bei später Dämmerung setzte sich ein Ziegenmelker auf einem trockenen Ast. Aufgrund der Dämmerung kamen nur unbrauchbare Fotos heraus. Was will man auch Erwarten? Der Technik sind auch Grenzen gesetzt. Trotzdem war dieser Abend in der Heide nicht umsonst, denn wir konnten noch Waldschnepfen im Flug, Glühwürmchen und Kreuzkröten beobachten und kurz vor dem Parkplatz hörten wir die Bettelrufe der jungen Waldkäuze aus einem Waldgebiet. In die Natur begibt man sich also niemals umsonst.

Wir verabredeten uns aber erneut für den nächsten Morgen, um an einer anderen Stelle der Heide makrofotografisch nach den nun fliegenden Kleinen Schillerfaltern zu schauen. Besonders die Schillerfalter, egal ob kleiner oder großer, sind bei hohen Temperaturen sehr fluchtfreudig und fliegen bei Annäherung schnell ab. Schon morgens zeigte die Temperaturanzeige im Auto 26°C an. „Das wird heute ein kurzes Zwischenspiel“, dachte ich mir noch und wuchtete den viel zu voll bepackten Fotorucksack auf den Rücken. Zum Glück habe ich mich getäuscht. Nach zwei Stunden an der Pfütze, wo die Schillerfalter normalerweise zur Mineralienaufnahme auf den Boden landen, tat sich nichts. Hier mal ein Weißbindiges Wiesenvögelchen, da mal ein Admiral oder Kleiner Fuchs, aber sonst keine Spur vom Kleinen Schillerfalter.

Ich wollte schon wieder die Tour aufgrund der steigenden Temperaturen abbrechen, als ich plötzlich den schnurrenden Gesang des Ziegenmelkers wenige Meter neben mir vernahm. Ich musste zweimal hinhören, da es so abwegig war. Es herrschte praller Sonnenschein, war fast 30°C heiß und ein Ziegenmelker schmetterte um die Wette. Plötzlich flog er über mich hinweg und landete in einer nahen Birke. Zu meinem großen Glück saß der Ziegenmelker völlig frei auf einem trockenen Ast und ich konnte ihn direkt vom Wanderweg aus in ca. 10 Meter Entfernung fotografieren. Ich konnte es nicht fassen. Hier traf der Spruch „Unverhofft kommt oft“ wirklich zu. Das wird man so nicht mehr erleben.

Nach ca. 30 Sekunden flog er wieder singend ab und setzte sich auf der anderen Seite des Weges auf einen Weidezaunpfahl, dieses Mal etwas weiter entfernt. Nach einiger Zeit ging es dann weiter in eine Eiche, wo er nicht mehr zu sehen war. Gesungen hat er aber weiter. Ein wirklich verblüffendes, einmaliges Erlebnis, was man so wohl nicht mehr wiederholen kann.