Auszeichnung für Schmetterlingsfreunde

Naturnahe Gärten mit Raum für Artenvielfalt


Kathrin und Bastian Lange und Norbert Weisbrod mit der Auszeichnung des NABU für ihre schmetterlingsfreundlichen Gärten

(Fotos: Tanja Malchow)


Die Gärten von Kathrin und Bastian Lange in Merzenich und Norbert Weisbrod in Jülich haben etwas gemeinsam. Hier läuft nicht alles "nach Plan", sondern es wird auch solchen Pflanzen Raum gegeben, die sich von allein ansiedeln. Bei Familie Lange finden sich z.B. große Bestände Wilder Möhre, das ist eine der Lieblingspflanzen der Raupen des wunderschönen Schwalbenschwanzes. Mit ihrem naturnahen Garten möchten Kathrin und Bastian Lange der ausgeräumten Agrarlandschaft, die dahinter beginnt, etwas entgegensetzen. Denn Felder ohne Strukturen wie Hecken, Feldgehölze, artenreiche Wegränder etc. bieten für Artenvielfalt keine Chance. Anders im Garten von Familie Lange. Hier einige Eindrücke:

Erstes Foto: Schwalbenschwanz (Foto: Achim Schumacher)

Übrige Fotos: Eindrücke aus dem Naturgarten von Kathrin und Bastian Lange (Fotos: Kathrin Lange)

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Im Garten von Norbert Weisbrod (Foto: Tanja Malchow)

Bei Norbert Weisbrod wachsen die Pflanzen nicht nur dort, wo es sich der Gärtner wünscht; sie dürfen sich ihren Platz selbst suchen und blühen dort, wo sie am besten gedeihen. So sieht man das Lungenkraut an vielen Stellen in seinem Garten. Als Frühblüher bietet diese 20 - 30 cm hohe Staudenpflanze Insekten eine wichtige Nahrungsquelle für Insekten, wenn sonst noch nicht viele Blüten zu finden sind. Doch nicht nur in seinem eigenen Garten bietet Herr Weisbrod Lebensräume für Schmetterlinge und Co. Auch auf den Gemeinschaftsflächen in der Kleingartenanlage, zu der sein Garten gehört, und die auch der Öffentlichkeit zugänglich ist, hat Herr Weisbrod gemeinsam mit anderen Mitstreitern Blühflächen angelegt, Bäume gepflanzt und eine Benjeshecke geschaffen. 

Benjeshecke Mehr Platz für Falter jetzt wird´s bunt schmetterlingsfreundliche Gärten NRW Friedhöfe Kindergarten Kindergärten Schule Schulen Wettbewerb Plakette NABU Düren
Benjeshecke (Foto: NABU/Eric Neuling)

Eine Benjeshecke besteht aus Totholz, dass beim Obstbaumschnitt oder anderen Aufräumaktivitäten im Garten anfällt. Die Hecke bietet einen Lebensraum für zahlreiche Tierarten, die sich für die kalten Wintermonate ein kuscheliges Quartier suchen. Insekten, Amphibien, Reptilien, Spinnen, aber auch Vögel, Fledermäuse, Igel, Haselmäuse und andere Tiere profitieren vom Totholz. Dabei gilt: Je dicker das Totholz, umso besser ist es als Lebensraum geeignet und umso mehr Nahrung ist zu finden. Vor allem Totholz, das von der Sonne beschienen wird, und stehendes Totholz sind artenreich. Hier tummeln sich im Sommer zahlreiche Insekten wie die Blaue Holzbiene, aber auch Eidechsen und andere wärmeliebende Arten. Nicht nur in warmen Sommern ist Totholz Lebensraum, auch im Winter halten sich hier viele Tiere auf. Sie überwintern sicher im Schutz des Geästs am Boden, in Käferbohrlöchern, unter der Rinde und anderen Hohlräumen. Ein bekannter Wintergast ist der Igel. Aber auch Kröten und manche Insekten überwintern in einem Totholzhaufen. Leider verschwindet dieser Lebensraum zunehmend, denn Gärten und Parks werden immer aufgeräumter. Wer in seinem Garten zum Erhalt einer Vielzahl verschiedener Arten wie Igeln, Zitronenfaltern, Florfliegen, Kröten, Eidechsen, Vögeln oder Marienkäfern beitragen möchte, ist mit einem Totholzhaufen dabei.

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Im Garten von Norbert Weisbrod (Foto: Tanja Malchow)

Auch Schmetterlinge haben in unseren aufgeräumten Gärten nicht mehr die nötige Ruhe für Ihre Entwicklungsphasen: Abgeblühte Pflanzenteile werden schnell geschnitten, Gräser werden immer kurz gehalten. Auf diese Weise stören wir mitunter verpuppte Falter, die ein paar Wochen Zeit für ihre Entwicklung benötigen. Wer den Garten im Herbst nicht zu sehr aufräumt bietet Schmetterlingen auch die Möglichkeit hier zu überwintern: Das Herbstlaub kann ruhig über den Winter liegen bleiben und abgeblühte Stauden, Sträucher und Hecken sollten erst im Frühjahr geschnitten werden. Je nach Art überwintern Schmetterlinge als Ei, Raupe, Puppe oder Larve im Boden, im Laub, in Baumhöhlen oder, wie etwa der Zitronenfalter, auch im Freien sitzend an einem Blatt. Wer also im Garten Mut zur Unordnung im Garten zeigt, tut Schmetterlingen und anderen Tieren damit einen großen Gefallen.

Die Übergabe der Auszeichnungen an Familie Lange und Herrn Weisbrod ist Mitte November erfolgt. Dabei ist deutlich geworden, dass Schmetterlinge sich bei ihnen nicht nur im Sommer wohlfühlen. In "wilden Ecken" finden sie in Herbst und Winter ausreichend Zeit für ihre Entwicklung.


Das vom Ministerium für Umwelt-, Landwirtschaft, Natur- und Verbraucherschutz NRW geförderte Projekt „Mehr Platz für Falter – Jetzt wird´s bunt!“ macht auf die vielen Möglichkeiten aufmerksam hochwertige Bereiche für Schmetterlinge zu schaffen und gibt zahlreiche Tipps für die praktische Umsetzung. Sowohl die Außengelände rund um Kindergärten und Schulen sowie Privatgärten lassen sich mit wenigen Maßnahmen aufwerten und zu attraktiven Orten für Tag- und Nachtfalter gestalten. Schon der Verzicht auf allzu häufiges Rasenmähen und intensives Aufräumen kann viel bewirken. Ganz nebenbei erfahren nicht nur Kinder und Jugendliche ganz viel über unsere heimische Natur. 

 

Wer Gärten oder andere Flächen schmetterlingsfreundlich gestalten möchte – Privatgärtner*in, Schulen, Kitas und auch Friedhofe – kann sich Tipps in den Infomaterialien holen, die der NABU NRW zur Verfügung stellt. Interessierte sind dazu aufgerufen ihren Garten naturnah und schmetterlingsfreundlich umzugestalten, dies zu dokumentieren und in einer Bewerbung vorzustellen. Ein kostenloses Informationspaket kann unter Falter@NABU-NRW.de angefordert werden. Bewerbungen können gerne per Mail an die oben genannte Adresse oder aber per Post an den NABU NRW, „Mehr Platz für Falter – Jetzt wird´s bunt!“, Völklinger Str. 7-9, 40219 Düsseldorf gesendet werden.