Steinkauz-Brutsaison 2018 im Kreis Düren

Trotz widriger Umstände wurden auch Erfolge verzeichnet


Steinkauz Brutsaison 2018 NABU Düren
Steinkauz (Foto: Doris Siehoff)

Die Kölner Bucht ist eines der Dichtezentren des Steinkauzes in Deutschland. Hier liegt das Projektgebiet der EGE zum Schutz des Steinkauzes. Es umfasst die Kreise Düren und Euskirchen. Die Hauptverantwortung für dieses Projekt trägt im Kreis Düren Doris Siehoff. Sie wurde von einer Reihe Personen unterstützt, besonders von Achim Schumacher.

Hier die Zahlen für 2018: Im Kreis Düren brüteten 108 Paare erfolgreich, beringt wurden 349 Jungvögel. Die Anzahl Jungvögel je erfolgreicher Brut lag bei 3,3, 190 Reviere waren besetzt.


Aufgrund des späten Wintereinbruchs unterbrachen viele Käuze die Balz oder gaben eine frühe Brut auf. Da die meisten Steinkäuze in den kalten Nächten nicht riefen, unterbrachen auch wir das Verhören mit der Klangattrappe. Später fielen einige geplante Kontrollen der Nisthilfen wegen Starkregens ins Wasser.


Im Mai und Juni behinderte das unbeständige Wetter die Heuernte, so dass in vielen Kauzrevieren zur Zeit der Jungenaufzucht das Gras für eine erfolgreiche Jagd auf Mäuse zu hoch war. Zu unserer Überraschung trafen wir dennoch viele Junge in den Nisthilfen an. Es war uns allerdings ein Rätsel, wovon sich die kleinen Eulen ernährten. Denn die Mäuseknappheit war offensichtlich. In nur einem einzigen Kasten waren die Jungen regelrecht auf Mäusefellen gebettet. In anderen Nisthilfen fanden wir Singvogelfedern oder Insektenreste, vor allem die großer Käfer. Standen in Muldenau sogar Äpfel auf dem Speiseplan? Jedenfalls war die Streu grün gesprenkelt von zerkleinerten Apfelstückchen.


Wir befürchten, dass wegen der schlechten Ernährungslage mehr Käuze als sonst bereits in ihrer Jugend umkamen. Gemeldet wurden uns bis jetzt sechs Totfunde junger Käuze: Drei Jungvögel lagen tot in der Wiese, ohne dass die Todesursache festgestellt werden konnte, zwei ertranken in Pferdetränken und einer endete als Verkehrsopfer. Ein junger Kauz überstand verrußt den Absturz in einen Kamin.


Leider kommt es immer wieder vor, dass junge Käuze in offenen Wasserbehältern ertrinken. In Versuchen zum Verhalten der Käuze beim Hineinfallen in solche Behälter haben niederländische Steinkauzschützer festgestellt, dass eingelegte Bretter oder Pfosten den Käuzen nicht helfen, wohl aber Plastikkörbe, die nur etwas kleiner sind als die Behälter selbst. An den Korbwänden klettern die kleinen Eulen geschickt nach oben und retten sich so vor dem Ertrinken. Die Biologische Station im Kreis Düren hat solche Kübel mit Korb angeschafft und stellt sie Tierhaltern in Steinkauzrevieren zur Verfügung.


Für die Steinkauzpopulation schwerwiegender als die Verluste von Einzeltieren sind jedoch der weitere Rückgang von Viehhaltung auf Grünland sowie der Verlust von Grünland und alten Obstbäumen. In vielen Dörfern gibt es keine einzige Kuh mehr oder sehr viele Kühe, die aber nicht mehr auf die Weide kommen. Ohne die Pferdehaltung gäbe es besonders im Nordkreis noch viel weniger Weideland. Aber vielfach mangelt es den Pferdeweiden an Bäumen, und die älteren Restbestände werden häufig immer noch nicht vor Verbiss geschützt, sondern als Bewirtschaftungshindernis angesehen. Zu beklagen ist besonders im Südkreis der fortschreitende, zerstörerische Befall der Obstbäume mit Misteln.


Insgesamt war es jedoch ein sehr erfreuliches Kauzjahr. Die Zahl der besetzten Reviere blieb gegenüber dem Vorjahr konstant. Sechs Reviere wurden neu besiedelt, andere Reviere wiederbesiedelt, aber auch einige nicht besetzt. Die Zahl der Bruten und der Jungen pro Brut lag allerdings deutlich über der vom Vorjahr. Daher konnten so viele Junge wie nie zuvor im Kreis Düren beringt werden.


Kauzdorf Nr. 1 war wie in den Vorjahren Nideggen-Berg mit 20 Jungen in sieben erfolgreichen Bruten Darunter waren zwei Naturbruten mit insgesamt vier Jungen.


Die Zahl der Wiederfunde lag unter der vom Vorjahr und kann mit der Erhöhung der Anzahl der Kontrolltermine gesteigert werden. Insgesamt hatten wir 77 Wiederfunde, darunter nur neun Männchen. Der älteste Kauz war bereits 11 Jahre alt. Es war das alte Weibchen aus Huchem-Stammeln, das hier zumindest seit 2013 brütet, möglicherweise auch schon in den Jahren davor. Zudem wurden uns im Jahr 2018 aus dem Kreis Euskirchen, dem Ort Beek in den Niederlanden sowie aus dem hessischen Wetteraukreis Käuze gemeldet, die im Kreis Düren aus dem Ei geschlüpft waren.

 

Ein von Doris Siehoff im Juli 2011 nestjung beringter Steinkauz wurde im Juni 2018 wiedergefunden. Er saß unbeschadet in einem Nistkasten 170 km vom Beringungsort entfernt in der Nähe von Florstadt. Käuze reisen im Allgemeinen nicht so weit. Die kurzen Flügel sind nicht für lange Streckenflüge gemacht. Das Bild zeigt vielleicht genau diesen Kauz und wenn nicht ihn, dann eines seiner Geschwister.


Allen, die das Steinkauzprojekt der EGE im Kreis Düren mit Rat und Tat unterstützt haben, sei recht herzlich gedankt.


Doris Siehoff, Gesellschaft zur Erhaltung der Eulen e.V. (EGE), Dezember 2018


Lesen Sie auch das Portrait des Steinkauzes und den Bericht zur Auszeichnung des Steinkauzfreundlichen Dorfs Nideggen-Berg.

 

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