Der Indesee - eine Chance auch für die Natur?

Naturschutzverbände legen eigene Vorschläge vor


Rahmenplan Indesee 2.0 Indescher Ozean indeland GmbH Tagebau Folgelandschaft Biotopverbund Rheinisches Revier BUND LNU Naturschutzverbände Uferzonen Naturschutzgebiet NABU Düren
Gestaltung nördliches und nordwestliches Seeumfeld - Vorschlag der Naturschutzverbände, Alternative 1, Stand 05.07.2023

Die Naturschutzverbände Bund für Umwelt- und Naturschutz Deutschland (BUND) Kreisgruppe Düren, Landesgemeinschaft Naturschutz (LNU) e.V., Anlaufstelle Kreis Düren und der Naturschutzbund Deutschland (NABU) Kreisverband Düren e.V. hatten sich bereits im November 2022 kritisch zu den Planungen der indeland GmbH für die Gestaltung des Umfeldes des künftigen Indesees geäußert. Der Rahmenplan Indesee 2.0 gibt  der Natur aus Sicht der Verbände zu wenig Raum.  Im Fokus stehen wirtschaftliche Interessen, der Tourismus und eine freizeitorientierte Nutzung des Sees, der Uferbereiche und des Seeumfeldes.

Deshalb haben die Landesverbände der Naturschutzverbände im Rahmen ihrer Stellungnahme zum „Abschlussbetriebsplan sachlicher Teil 1, Tagebau Inden“ eigene Vorschläge für eine Gestaltung des Restsees Inden und dessen Umfeldes unterbreitet, die nicht nur wirtschaftlichen und touristischen Interessen gerecht werden, sondern nach dem Ende des Braunkohleabbaus auch einen ökologisch wertvollen Lebensraum für viele Tier- und Pflanzenarten wiederherstellt und damit die Biodiversität im Rheinischen Revier fördert.

UN-Biodiversitätskonferenz unterstützt die Forderung der Verbände 

Die Naturschutzverbände berufen sich dabei auf den Beschluss der UN-Biodiversitätskonferenz, die in Montreal im Dezember 2022 das „30-bis-30-Ziel“ beschlossen hat: bis zum Jahr 2030 werden mindestens 30 % der Landfläche und mindestens 30 % der Meeresfläche zu Schutzgebieten. BUND, LNU und NABU fordern dementsprechend auch für das Rheinische Revier, dass mindestens 30% der Fläche unter Schutz gestellt werden. Der Restsee Inden und dessen Umfeld sollen einen wichtigen Beitrag zur Erreichung dieses Ziels leisten und als einer der geplanten Kernbereiche in den Biotopverbund Rheinisches Revier eingebunden werden.

Rahmenplan Indesee 2.0 Indescher Ozean indeland GmbH Tagebau Folgelandschaft Biotopverbund Rheinisches Revier BUND LNU Naturschutzverbände Uferzonen Naturschutzgebiet NABU Düren
Gestaltung nördliches und nordwestliches Seeumfeld - Vorschlag der Naturschutzverbände, Alternative 2, Stand 05.07.2023

Zwei Alternativvorschläge in Text und Bild

Nachdem wir unsere Vorschläge im Rahmen der Stellungnahme zu o.g. Abschlussbetriebsplan textlich beschrieben haben, freuen wir uns, Ihnen heute die Kartendarstellungen und textlichen Erläuterungen unserer beiden Alternativvorschläge zur Verfügung stellen zu können.

Die bisherigen Planungen der anliegenden Kommunen sehen für den Seekörper und dessen Uferbereiche besonders im nordöstlichen, östlichen und südlichen Bereich eine wirtschaftliche, freizeitorientierte sowie touristische Nutzung vor. Die Naturschutzverbände sehen die dringende Notwendigkeit, den nördlichen und nordwestlichen Bereich des Sees und die angrenzenden Landflächen als Naturschutz-Vorrangfläche zu entwickeln und über die Landschaftsplanung als Naturschutzgebiet auszuweisen. Dabei ist es von immanenter Bedeutung, diesen Bereich als Rückzugs- und Ruhebereich ausschließlich der Natur zur Verfügung zu stellen und andere Nutzungen, insbesondere Freizeit-Nutzungen, auszuschließen. Lediglich eine extensiv betriebene Landwirtschaft soll im Naturschutzgebiet zulässig sein und die Herstellung eines Feldvogel-Schutzgebietes unterstützen. Bestehende Wege z.B. entlang der neu verlegten Inde und zwischen den Feldfluren bieten Möglichkeiten für eine naturorientierte Erholungsnutzung in Form von Wanderungen und Naturbeobachtung.

Es entsteht eine ökologisch wertvolle Landschaft 

Den Naturschutzverbänden ist bewusst, dass die in den Karten dargestellten Flächen teils nicht mehr unter Bergaufsicht stehen. Dennoch haben die Verbände ein Konzept zur Raumentwicklung des ehemaligen und des noch bestehenden Tagebaugebiets Inden entwickelt, das Vorschläge für die zukünftige Nutzung des Gesamtraums macht und darlegt, wie sich der Restsee bzw. die noch zuzulassenden Abschlussbetriebsplan-Flächenteile in eine auch ökologisch wertvolle Landschaft einfügen können.

Tagebau-Folgelandschaften während ihres Entstehens (Fotos: Shanaly Le)

Zwischennutzung 

Mit der Gestaltung der einzelnen Elemente des Naturschutzgebietes kann und muss bereits sofort mit Beginn der Befüllung des Restsees begonnen werden. So können ökologisch sinnvolle Zwischennutzungen unterstützt werden. Die Naturschutzverbände sind der Auffassung, dass die Böschungen des Restsees bis zur vollständigen Befüllung aus Sicherheitsgründen nicht betreten oder befahren werden sollten. Sie sollen aber strukturiert werden, z.B. durch Anlegen kleiner, mit Niederschlagswasser gefüllter Mulden, um auch in der Zeit bis zur endgültigen Befüllung des Sees Pflanzen und Tieren Lebensraum zu bieten. Zur Stützung der Biodiversität, des Biotopverbundes und der Standsicherung der Böschungen könnten aus Sicht der Naturschutzverbände Hecken (z.B. Brombeere, Wildrose, Weiß- und Schwarzdorn) und möglicherweise auch kleinere Wäldchen (z B. Birke, Weide, Vogelbeere) gepflanzt, gesät oder durch die Sukzession initiiert werden oder sich selbständig ansiedeln. Eine breite Sicherheitszone ist der natürlichen Sukzession zu überlassen.

Was wurde bis jetzt erreicht?

Die Naturschutzverbände haben ihre Vorschläge im Lauf des Jahres 2023 bei den zuständigen Behörden, Ministerien, politischen Fraktionen, Vertretern der Landwirtschaft sowie der  indeland GmbH und der RWE Power AG vorgestellt. Inzwischen liegen viele positive Rückmeldungen vor.

Ministerium für Umwelt, Naturschutz und Verkehr NRW (MUNV) sieht große Potentiale

Nach einem Treffen mit Minister Oliver Krischer erhielten die Verbandsvertreter aus dem MUNV am 17.11.2023 eine E-Mail, die folgende Kernaussage beinhaltet:

„Aus Sicht des MUNV ist das Konzept gut geeignet, um im Rheinischen Revier und insbesondere im Bereich des Tagebaus Inden einen Beitrag zum 30 % Schutzgebietsziel der COP 15 zu leisten. Das vorgelegte Konzept bietet große Potentiale für die Umsetzung der Ziele von Naturschutz und Landschaftspflege. Nach erfolgter Umsetzung würde der Bereich voraussichtlich einen wesentlichen Beitrag zum Biotopverbund im Rheinischen Revier leisten.“ 

Hinweis: bei der COP 15 handelt es sich um die 15. UN-Biodiversitätskonferenz in Montreal, im Rahmen derer beschlossen wurde, dass 30 % der Land- und Meeresfläche unter Schutz zu stellen sind. 

Ministerium für Wirtschaft, Industrie, Klimaschutz und Energie NRW (MWIKE) beruft Runden Tisch ein

Bereits am 24.08.2023 sahen Vertreter des MWIKE anlässlich der Vorstellung des Konzepts der Verbände Chancen für eine zumindest teilweise Umsetzung. Man könne sich dabei auch den Einsatz von Mitteln aus dem Strukturstärkungstopf für das Rheinische Revier vorstellen. Weiter sah das MWIKE die Notwendigkeit eines Runden Tisches, zu dem alle beteiligten Akteure zusammenkommen sollen. Am 14.11.2023 erhielten die Verbandsvertreter vom MWIKE die Rückmeldung, dass dieses Treffen von dort aus nach Möglichkeit noch in diesem Jahr organisiert wird.

RWE Power AG geht den ersten Schritt in die richtige Richtung

Erfreut waren die Naturschützer auch über eine Initiative der RWE Power AG, die bei einem gemeinsamen Termin am 17.10.2023 einen eigenen Vorschlag unterbreitete. Vorbehaltlich planungsrechtlicher Genehmigungen erklärten die RWE-Vertreter die Bereitschaft zur Aufwertung und Erweiterung der im Rahmenvertrag 2.0 der indeland GmbH enthaltenen Flachwasserzonen. Auch wenn der Vorschlag der RWE Power AG hinter den Erwartungen der Naturschutzverbände zurückbleibt und sich lediglich auf die Flachwasserzonen bezieht, begrüßen die Verbandsvertreter diesen Vorschlag als ersten Schritt in die richtige Richtung.

Wie geht es weiter?

Der durch das Ministerium für Wirtschaft, Industrie, Klimaschutz und Energie NRW (MWIKE) einberufene Runde Tisch - ein Treffen der am Thema Indesee beteiligten Akteure - hat am 12. Januar 2024 stattgefunden. Bei diesem Treffen, das aufgrund des Bahnstreiks online stattgefunden hat, wurden im ersten Schritt zwei Teilaspekte unseres Konzepts herausgegriffen und diskutiert. Es ging am 12. Januar um die Themen Landwirtschaft und Flachwasserzone.

Als Ergebnis der Diskussion wurde festgehalten, dass die betroffenen Behörden die zur Verfügung stehenden Möglichkeiten zur Umsetzung unseres Konzepts erneut prüfen werden. Danach wird es zeitnah ein weiteres Gespräch mit allen Beteiligten geben.


Inzwischen haben uns zu unserem Konzept auch Stimmen aus der Bevölkerung erreicht. Hier einige Auszüge:

"Sie [Anmerkung der Webseitenredaktion: die Vorschläge der Naturschutzverbände] sind aus meiner Sicht generell sehr positiv zu bewerten. Außerordentlich wichtig und notwendig sind die Rast- und Ruhezonen für alle Vogelarten, insbesondere für die Watvögel, die die kalte Jahreszeit hier verbringen können, für Amphibien, aber auch alle anderen Tierarten, deren Lebensraum sich immer bedrohlicher verringert."

"Die touristische Nutzung ist ... ein erhebliches Problem. Leider halten sich die Menschen nicht an Absperrungen und dergleichen und es kommt zu nachhaltigen Störungen, die eine Besiedlung zunichte machen. Daher sollte eine touristische Nutzung weitestgehend vermieden werden! Die Menschen haben bereits vielfältigste Möglichkeiten für Freizeit und Erholung. Daher bin ich dafür, dass das Gebiet weitestgehend der Natur zur Verfügung gestellt wird."

"Es wäre sehr wünschenswert, wenn auch um den Indesee größtmögliche Areale ausschließlich der Natur zurückgegeben würden und alles dafür getan wird, dass diese Gebiete in den Status eines „Nationalparks“ eingebunden würden ..."

"Gerade im Raum Köln – Bonn – Aachen haben wir die Chance, die ehemaligen Kohleabbaugebiete der Natur zu schenken. Es gibt im hiesigen Raum sooo wenig davon."

"Es wäre daher super, wenn die Areale um den Indesee unter besonderen Schutz gestellt würden."


Pressemitteilungen

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Pressemitteilung Naturschutzverbände zum Rahmenplan Indesee 2.0 vom 24.11.2022
Pressemitteilung Naturschutzverbände zum
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Pressemitteilung Naturschutzverbände vom 29.11.2023 - Viel Unterstützung für NSG-Vorschlag
PM - Unterstützung für NSG-Vorschlag am
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Wie ist Ihre Meinung?

Die Naturschutzverbände sind sehr interessiert an Anregungen, Vorschlägen und Rückmeldungen der betroffenen Menschen. Ist Ihnen wichtig, dass im Bereich der rekultivierten Flächen auch die Natur Raum findet und Arten die Möglichkeit haben, sich ungestört zu entwickeln? Wünschen Sie sich Möglichkeiten zur ruhigen Erholung abseits von Freizeiteinrichtungen und touristisch erschlossenen Gebieten?

Schreiben Sie uns Ihre Meinung an vorstand @nabu-dueren.de, Stichwort „Indesee“.


Kartenmaterial - Stand Juli 2023:

Rahmenplan Indesee 2.0 Indescher Ozean indeland GmbH Tagebau Folgelandschaft Biotopverbund Rheinisches Revier BUND LNU Naturschutzverbände Uferzonen Naturschutzgebiet NABU Düren
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Vorschlag der Naturschutzverbände - Alternative 1, Stand 05.07.2023
Variante 1 A3 Nord 2023-07-05.pdf
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Rahmenplan Indesee 2.0 Indescher Ozean indeland GmbH Tagebau Folgelandschaft Biotopverbund Rheinisches Revier BUND LNU Naturschutzverbände Uferzonen Naturschutzgebiet NABU Düren
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Vorschlag der Naturschutzverbände - Alternative 2, Stand 05.07.2023
Variante 2 A3 Nord 2023-07-05.pdf
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Rahmenplan Indesee 2.0 Indescher Ozean indeland GmbH Tagebau Folgelandschaft Biotopverbund Rheinisches Revier BUND LNU Naturschutzverbände Uferzonen Naturschutzgebiet NABU Düren
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Schutzgebietsvorschläge der Naturschutzverbände
Karte 1 A3 Schutzgebietsvorschläge.pdf
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Präsentation der Naturschutzverbände zum NSG Indesee
Präsentation Restsee Inden Naturschutzve
Microsoft Power Point Präsentation 72.2 MB

Mit dieser Präsentation haben die Naturschutzverbände ihren Vorschlag bei den zuständigen Behörden, Ministerien, politischen Fraktionen, Vertretern der Landwirtschaftskammer sowie der  indeland GmbH und der RWE Power AG vorgestellt.



Inden: Was kommt nach der Kohle? Beitrag im Mitgliedermagazin des NABU NRW!

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Naturschutz in NRW
Ausgabe 2/2023
2023_natnw_223.pdf
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Auch das Mitgliedermagazin des NABU NRW greift das Thema in seiner Ausgabe 2/2023 auf. Den Beitrag zu den Vorschlägen der Naturschutzverbände für den geplanten Indesee finden Sie dort auf Seite 11.



Stellungnahme des Landesbüros der Naturschutzverbände vom 28.02.2023

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Stellungnahme des Landesbüros der Naturschutzverbände vom 28.02.2023
Tagebau Inden: Abschussbetriebsplan sachlicher Teil 1 – Oberflächengestaltung und Wiedernutzbarmachung für die Restfläche Braunkohlepläne Inden I und Inden II
ST_ABP_Inden_fin.pdf
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Auszug aus der Stellungnahme des Landesbüros der Naturschutzverbände vom 28.02.2023

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Auszug aus der Stellungnahme des Landesbüros der Naturschutzverbände vom 28.02.2023
Indesee - textliche Beschreibung NSG
Indesee_textliche Beschreibung NSG.pdf
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Biotopverbund und Rheinisches Revier sind Thema bei "Dok 5 - Das Feature"

Der WDR hat das Thema Biotopvernetzung in seiner Reihe "Dok 5 - Das Feature" aufgegriffen. Die Reportage vom 09.04.2023 stellt dar, wie wichtig der Schutz und die Vernetzung von Biotopen ist. Denn solange einzelne Schutzgebiete nicht miteinander verbunden sind, hat die Natur keine Chance auf eine dauerhafte Rückkehr. In dem Artikel wird auch die besondere Situation im Rheinischen Revier und die Bedeutung eines funktionierenden Biotopverbundes in der Tagebau-Folgelandschaft dargestellt. Sehr hörenswert! 

Dok 5 - Das Feature · Grüne Adern - Wie Ökokorridore Natur vernetzen · Podcast in der ARD Audiothek